Dienstag, 22. November 2005

Der Vulkan! Der Vulkan! Der Vulkan!

Hurra! Hurra! Ich hab's geschafft! Ich war auf dem Vulkan!

Was für ein unglaublich schöner Tag das war!
Es ist Sonntag Abend, 21:00, ich sitze im Bett und freue mich. Endlich! War ich auf dem Nevado de Toluca, und bin begeistert. Ich hab zwar höhenbedingte Kopfschmerzen, und wahrscheinlich werden mir morgen sämtliche Körperteile den Dienst versagen, aber ich bin glücklich. Das war eindeutig der coolste Tag, seit ich hier bin!
Da ich ja schon seit Wochen immer wieder aussichtslose Vulkan-Touren-Pläne schmiede, war ich wieder relativ unzuversichtlich, das wir es überhaupt schaffen, Toluca zu verlassen. Aber, es ist anscheinend wirklich so: wenn man das mit den Plänen selber in die Hand nimmt, dann klappt es. Wir, d.h. Pau, Sergio, Cesar und ich, sind also heute früh (naja, um halb 11, um ehrlich zu sein) Richtung Nevado losgefahren. Das mit dem Vulkan verhält sich folgendermaßen:
Er heißt Nevado de Toluca, bzw. Xinantécatl, ist mit seinen 4.690 m der 3.hoechste Berg in Mexico (nach Pico de Orizaba, Popo und Itza), und nicht mehr aktiv. Man kann mit dem Auto durch das Naturschutzgebiet (Parque de los Venados) bis zum Krater hochfahren. Das mich das ziemlich überrascht hat, hab ich ja schon mal gesagt: der Ausflug "zum Vulkan" auf mexikanisch läuft nämlich in geschätzten 97% der Fällen so ab, dass sie hochfahren zum Krater, die Musik im Auto hochdrehen, sich betrinken (was bei der Höhe relativ schnell erledigt ist), und zurück fahren. Hmmm. Ein interessanter Ansatz. Naja, wie auch immer: im Krater gibt es zwei Lagunen, "El Sol" und "La Luna". Passt gut, die ganze Szenerie schaut nämlich sehr nach Mondlandschaft aus. Da es ja ab ca. 3.600 m praktisch keine Vegetation mehr gibt, sieht man nur Steine, Geröll, Felsen, und ein paar Kühe. Moment, aber was fressen die Kühe? Hm- vielleicht gibt es doch noch die eine oder andere Moospflanze da. Muss ich nochmal nachfragen. Jedenfalls, da war es – trotz Cumbia und Norteña-Musik aus verschiedenen Lautsprechern – schon sehr schön.
Der Krater ist logischerweise umgeben von Berg, relativ steil und geröllhaltig, und wir haben beschlossen, wenn wir schon mal da sind, auch hoch zu laufen – die Alternative wäre gewesen, auf der Motorhaube Tequila zu trinken (den Cesar gegen die Kälte eingepackt hat). Wir sind nur zu 3. rauf (Cesar ist im Auto geblieben), und ich sage euch, um Gottes Willen. Es war nicht mehr so unendlich weit hoch zu dem Gipfel, den wir uns ausgesucht haben, aber steil. Steil hauptsächlich wegen unserer Blödheit, muss man dazu sagen, weil wir hätten eigentlich auch einen weniger steilen, aber längeren, Weg wählen können. Aber nein, wir klettern mal direkt hoch.
Das war der härteste Aufstieg meines Lebens!! Wir haben fast zwei Stunden gebraucht, sind teilweise auf allen Vieren hochgeklettert, wegen dem Geröll hatte man kaum Halt. Aber der Gag war: Die Haaahhöhhe---- das war extrem ! 5 Schritte nach oben – Herzrasen / Atemnot / leichter Schwindel. Pause. Aaaatmen, tief atmen. Weiter. 5 Schritte nach oben – Herzrasen / Atemnot / uuh nicht den Kopf heben sonst fällst du rückwärts runter. Aaatmen. Warten, bis Puls unter 180. Weiter. Was, wenn ich jetzt einen Herzinfarkt bekomme? Naja, besser aufm Berg sterben, als in Toluca von einem Auto überfahren zu werden. Wwweiter. Oder hinsetzen. Nein, weiter, weil Nebel aufzieht. Aatmen. Hah, hingefallen. Aatmen. Kein – Sauerstoff – im – Hirn - - ...
Irgendwann waren wir alle an einem Punkt, ich bin mir nicht sicher, ob dieses Phänomen aus medizinischer Sicht existiert, aber wir hatten eine Art "Runner`s High" am Berg. Wir sind leicht hysterisch geworden und haben uns halb totgelacht mitten im Geröllhaufen. Das war cool! (Anm.: danach - gottseidank - hab ich erfahren, dass schon mehrere Leute, u.a. die Tochter einer Freundin meiner Schuelerin - am Vulkan einfach tot umgefallen sind)
Irgendwann sind wir tatsächlich angekommen (Pau: "aah, dios existe") ... kurzzeitig ist heftiger Nebel aufgezogen, und wir haben uns, am Gipfel sitzend und Bohnen-Burrito essend, an die drei Jungs erinnert, die sich kürzlich am Popo im Nebel verlaufen haben, und einer von ihnen ist gestorben. Ich hab dann an diesen lustigen Skitag im Sudelfeld gedacht (weißt du noch Sandra??), wo wir kurzzeitig nichts mehr gesehen haben außer weiße Wände, da hab ich ein bisschen Schiss gekriegt, weil ich nicht gerade in der Stimmung war, stundenlang mit einigermaßen heftiger Atemnot und bei Eiseskälte im Nebel zu irren.. aber er hat sich bald verzogen (außerdem hätten wir auch im Nebel zum Krater zurück gefunden, war ja nur Geröllfeld runter).

Also, das war so schön! Mal wieder hab ich festgestellt, wie zufrieden mich so ein Tag draußen macht.
Jetzt brennt zwar mein Gesicht (trotz Bewölkung und Lichtschutzfaktor 30), und ich hab leichte Kopfschmerzen wegen der Höhe. Macht aber nix. Ich bin echt froh, dass ich da hoch gekommen bin! Im Nachhinein betrachtet war es wahrscheinlich gut, dass ich das nicht früher versucht hab – so hat mein armer Körper noch ein bisschen Akklimatisationszeit gekriegt. Aber ich bin mir sicher, wenn ich nicht in Toluca regelmäßig Laufen gehen würde, hätte ich es nicht geschafft. Immerhin waren das fast 5.000 Meter! Wie cool!

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