Dienstag, 15. November 2005

Lustige Abenteuer im Mercado Morelos

Wie fast jeden Montag haben wir heute wieder auf dem "aah-und-ihr-habt-noch-keine-Salmonellen-gekriegt"- Markt gegessen, und heute ist uns zum ersten Mal die Absurdität dieses Szenarios so bewusst geworden, dass wir fast Tränen in unsere Enchiladas gelacht haben.
Cool find ich ja alleine schon die Tatsache, dass uns der verwirrte Mann des Marktes ("Sind Sie Ärztin?") mittlerweile von Weitem winkend begrüßt. Er ist nicht ganz richtig im Kopf, genau wie seine Freundin (oder Schwester, oder beides), die auch da arbeitet.
Jedenfalls, es gibt drei verschiedene Küchen nebeneinander, und wir gehen seltsamerweise immer zur Freak-Show. Der verwirrte Mann ist da, dessen Aufgabe entweder gar nichts oder Tisch abräumen ist. Seine Schwester / Freundin ist die Küchenhilfe, sie bringt uns immer die Tortillas. Und dann die Köchin. Sie ist ca. Ende 40, hat eine strohblonde Topffrisur-Perücke auf, und ihr Gesicht sieht aus wie das von March Simpson in der Folge mit der Schminkpistole (Homer hat einmal eine Schminkpistole erfunden: die Frau muss sich damit ins Gesicht schießen, und hat dann zwei große tiefblaue und einen grellroten Flecken im Gesicht) – irgendwo in der Nähe des Mundes und der Augen ist ganz viel Farbe.
Naja, sie ist nett, das Einzige, was mich stören könnte, ist die Geldübergabe. Gut, dass die immer nach dem Essen stattfindet. Ich drücke ihr ein paar dreckige Münzen in die Hände. An diesen klebt – sie kocht ja gerade - immer wahlweise Hühnerblut oder sonst irgendwas Postanimalisches, aber das macht nix, sie steckt das Geld einfach mit Hühnerblut in ihre Brusttasche und wühlt – ohne sich irgendwas abzuwaschen – ihre Hände wieder tief in Fleischmassen. Hmm. Aber wie gesagt, das passiert ja immer nach unserem Essen. Heute war's nur ein bisschen schwierig, sich auf das Essen zu konzentrieren, weil sie am Nebentisch einen großen Sack voller Regenwürmer hatten, oder irgendwelche anderen Tentakel. Sie waren ineinander verworren, deshalb hat sich jemand damit beschäftigt, die Würmer / Tentakel auseinander zu zerren und irgendwelchen Leuten zu verkaufen.

Aber die schoenste Szene:
Der verwirrte Mann (er ist übrigens sehr freundlich und hat ein sanftes Gesicht, ein bisschen wie ein verschrecktes Reh) kommt wieder zielstrebig an unseren Tisch und fragt mich (wieder nur mich!!), Frau, kennen Sie sich mit Krankheiten aus? – Ich dachte mir, dieser Mann braucht professionelle Hilfe, die ich ihm nicht verweigern will, und sage, um was geht es denn konkret?. Er (begeistert) zieht einen alten, braunen, vergilbten Zettel aus seiner Hosentasche (trägt er den Tag für Tag bei sich ..?), auf dem steht "proctologia". Er sagt, wissen Sie, Frau, ich habe dieses Wort im Lexikon gesucht, aber es steht nicht drin. - Ich, aeh... – Er, mit welchen Krankheiten kennen Sie sich denn aus? – Ich, aeh... ich ...weiß auch nur das, was alle so im Allgemeinen wissen, und so ... – Er (mit großen Augen): Hautkrankheiten? – Ich, naja.. nicht so wirklich, aber übermorgen sag ich Ihnen, was proctología bedeutet.

Er hat sich freudig bedankt und uns zum Abschied die Hand geschüttelt. Kerstin: Wenn er eine Hautkrankheit hat, haben wir die jetzt auch.

Der verwirrte Mann hat sich wieder seiner anderen Aufgabe zugewandt, Gläser abräumen, und zwar rückwärts laufend.

Anmerkung: heute ist Dienstag, gerade lerne ich: Proktologie = Diagnostik u. Therapie der After- u. Mastdarmerkrankungen.
Soll ich ihm morgen sagen, Herr, Sie haben offensichtlich ein Problem im Mastdarmbereich? ...

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