Donnerstag, 1. Dezember 2005

Machismo für Fortgeschrittene

Was mich immer wieder erstaunt und überrascht in diesem Land ist diese unglaubliche und allerorten akzeptierte Macho-Kultur. Als Frau hat man hier, schlicht gesagt, verschissen. Außer, wenn man seinen ersten Freund heiratet und sofort mehrere Kinder in die Welt setzt.

Wehe, wenn es anders läuft!
- Wenn du zu viele Freunde hast, bist du eine puta (Hure)
- Wenn du einen Freund hast, und dich von ihm trennst, bist du eine puta (??? Wenn der Freund Schluss macht, ist alles ok), und deine Eltern werden nicht mehr mit dir reden, weil du Schande über die Familie bringst
- Wenn du mit deinem Freund zusammen wohnst, und aus irgendwelchen Gründen klappt die Beziehung nicht und du ziehst wieder aus, heißt es: man hat sie "zurück gebracht", sie wurde nicht gewollt, sie ist schon "benutzt", und sie ist eine puta. Falls du das Glück hast, noch mal einen Mann zu finden, der das akzeptiert, wirst du mit Sicherheit vehemente Probleme mit seiner Familie kriegen.

Und für die Jungs? Ist alles gut. Kein Problem. Wenn er ein Mädel nach dem anderen abschleppt, heißt es, "er mag die Frauen halt".
Das Resultat ist: es kommt tatsächlich nicht so selten vor, dass eine Frau ihrem Freund ein Kind anhängen will, damit er sie heiratet. Geschätzte 30% (!) der Hochzeiten kommen nur wegen einem Kind zustande. Und wer tatsächlich aus freiem Willen heiratet, kriegt entweder sofort Kinder und wird Hausfrau (arbeiten gehen, als Frau? Nicht kochen können, als Frau? Um Gottes Willen.), oder ist nicht normal. Alles andere wird gesellschaftlich geächtet.
Wie immer gilt auch hier: das ist die Meinung der breiten Masse; je geringer die Bildung, desto höher die Wahrscheinlichkeit, dass die Menschen so denken. Nicht alle vertreten diese Meinung, und die Tendenz, zumindest unter den "elitären Jugendlichen" (also unter meinen Schülern) geht sicher in eine aufgeklärtere Richtung.
Aber ich find's trotzdem Wahnsinn.

Sogar im Sprachgebrauch manifestiert sich dieser Machismo ziemlich deutlich. Alles, was mit "padre" zu tun hat, ist positiv: Qué padre! Heisst: Ach, toll! Super! Spitze! (Beliebig steigerungsfähig zu padrísimo, padrisísimo, etc)
Alles, was mit "madre" zu tun hat, ist negativ:
Desmadre (Sauerei / Besäufnis), huele a madres (es stinkt), estoy hasta la madre (ich hab jetzt keinen Bock mehr), chinga tu madre (xxx), me vale madre (is mir scheißegal), ni madre (auf keinen Fall), etc.
Find ich irgendwie uncool.

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