Mittwoch, 15. Februar 2006

Kein Wunder, dass es Pulque nicht im Supermarkt gibt, wenn man zur Herstellung reinspucken muss

So verkaufen sie einem in Mexiko den Valentinsgruß:
"I jus can't take out of my mind. I luv Valentine Happy Every day's Valentine since you're mine. Without you there's Happy Valentine Guess what? I luv cha happy Valentine jus can't take out of mind."
Na Servus. Und, habt ihr schön Blumen gekriegt? Ich hab Mandeln und Schoki gekriegt, und heut geh ich mit meiner Jungs-Gruppe essen. A propos Essen, die Schüler scheinen mich aus irgendeinem Grund füttern zu wollen. Cynthia bringt mir selbstgemachten Milchreis mit, Elvira "deutsches" Brot, und Andrea hat mir tatsächlich eines Samstags selbstgekochtes EISBEIN MIT SAUERKRAUT UND SENF vorbei gebracht!!! Ganz schön nett, find ich das! (Stellt sich nur die Frage, ob sie a) wollen, dass ich nicht vom Fleisch falle, oder b) sich denken, "man sieht ja, dass Essen ein großes Hobby unserer Lehrerin ist. Na ja, wie dem auch sei.)
Um beim Thema Nahrungs- und Getränkeaufnahme zu bleiben:
Gestern habe ich mal wieder eine "mexikanische Spezialität" probiert: PULQUE. Es handelt sich um den Saft des Magey – der Magey ist eine kaktusartige Pflanze und sieht in Etwa aus wie eine Algarve -, angereichert mit wahlweise Ananas, Guayaba, Erdnuss oder sonstigem natürlichen Geschmacksverstärker. Der Gag des Pulque ist nun folgender: Er fermentiert. Und zwar ganz schön heftig. Heißt also: ich nehme unschuldig ein nahrhaftes natürliches – und billiges - Getränk "ohne Alkohol" zu mir und merke gar nicht, dass ich mich betrinke. Ihr könnt euch vorstellen, dass die Mexikaner das extrem cool finden. Pulque hat nur einen kleinen Nachteil: er schmeckt extrem schlecht und riecht ekelhaft, nach verfaultem Blumenwasser ungefähr. Aber mei, man muss ja nicht dran riechen.
Bin also gestern mit Kerstin und ein paar Schülerchen in ein Dorf gefahren, und zwischen alten Bauernhöfen, leerstehenden Rohbauten und streunenden Hunden biegen wir mal ab in einen dreckigen Hinterhof und finden eine Holztür – kein Hinweisschild, kein Laden, nichts – (klar: is ja auch illegal) – und in einem kleinen Raum steht eine uralte, froh grinsende Frau mit zwei Fässern Pulque und einem Mixer. Ein Liter kostet 0,80 EUR. Ich hab einen halben getrunken. BÄÄ!! Gesund hin oder her, wieso trinken die Leute nicht einfach Bier?
Na ja. Die Legende geht, dass in den Dörfern, in denen Pulque hergestellt wird, die meisten Kinder geboren werden.
Und eine andere Legende geht: Um den Pflanzensaft zum Fermentieren zu bringen, muss der Hersteller reinspucken. Super. Ich hab also gestern ungefähr 0,2l Spucke einer hundertjährigen Frau getrunken.

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