Mittwoch, 15. März 2006

Der Puma - sagt mir, dass ich kein schlechtes Gewissen haben muss, weil ich das hier aufschreibe. Sagt mir, das ist Dienst für die Menschheit.

Der Puma – ein elegantes, atemberaubend schönes Tier, das sich geschmeidig und behände bewegt und seinen Gegnern allein durch seine eindrucksvolle Erscheinung Respekt und Furcht einflößt. Er ist Herr seines Reiches und lässt sich von nichts und niemandem Angst einjagen. Kraftvoll und mit bebenden Waden setzt er zu einem gewaltigen Sprung ab, um seine Beute zu überwältigen, als plötzlich ...

... Moment, hat ja gar nix mit der Geschichte zu tun, die ich erzählen will.

"Der Puma" heißt wegen seinem Nachnamen so, und weil mir kein anderes passendes Tier eingefallen ist, das ihn adäquat beschreiben würde. Dass ich so was noch live erleben darf.. ich dachte ja immer, die Hälfte von dem Zeug, das sie immer erzählen, ist Legende. Aber jetzt! Darf ich! Endlich! Nach 6 Monaten Mexiko-Spaßaufenthalt ein waschechtes Exemplar der Sorte "nein-nein-nein-ich will nicht reflektieren und jeder Fortschritt bringt uns um" kennen lernen. Nicht, dass ich es besonders löblich von mir fände, über meine Schüler zu lästern.. aber ich halte es inzwischen für meine moralische Pflicht, euch von außergewöhnlichen Vorfällen, auch wenn es vielleicht keinen interessiert, zu unterrichten.
A propos Unterricht. Mein Text, zum 300. Mal "Ich heiße Susanne. Und wie heißt du?", als der Puma plötzlich aufschaut, sich am Kopf kratzt und sagt, "was ich wirklich nicht verstehe: Wieso kommt eine 28-jährige Frau freiwillig und aus Spaß nach Mexiko? Ich würde niemals aus Spaß nach Deutschland gehen, außer, wenn sie mich in der Arbeit dazu zwingen würden. "
Da hab ich doch erst mal geschluckt, ihm dazu gratuliert, dass er es in einem Satz nicht nur geschafft hat, mich als gesellschaftliche Außenseiterin in Mexiko zu positionieren, und sich damit dem Wohlwollen seiner ehemals geduldigen Lehrerin zu entziehen. Nein. Seine ehemals geduldige Lehrerin ist ab jetzt bestrebt danach, wo soviel Schlauheit herkommt, mehr Schlauheit zu Tage zu bringen.

Und da ist noch so einiges vorhanden.

Zitate des Puma:
• "Ich bin Macho. Aber guter Macho; ich bin es, um die Frau zu beschützen." – Ich: "Weil sie sich nicht selbst beschützen kann?" – Er: "Ja. Genau."
• "Manche Machos sagen einfach nur: 'So wird es gemacht, und zwar, weil ich es will.' Ich versuche zumindest, einen Grund zu finden, warum ich es so haben will."
• "Meine Frau wollte in Madrid 6 Monate ihren Master machen. Ich hab es nicht erlaubt. Was kann sie dort schon lernen, was sie nicht auch hier lernen kann? Zum Schluss kommt sie nur zurück und ist verwirrt und verloren. Und außerdem: In Madrid denken alle so wie DU." (zeigt anklagend auf mich).
• "Die Frauen in Mexiko achten ab 25 nicht mehr auf sich. Sie werden fett. Und damit der Mann trotzdem bei ihnen bleibt, hängen sie ihm ein Kind an."
• "Empfängnisverhütung ist schon eher Sache der Frau; schließlich ist sie diejenige, die danach das Kind hat. Ich weiß eigentlich nicht mal, wie ein Mann verhüten könnte. Ahh ja mit Kondom, aber das gefällt den Männern hier nicht so gut."
• "Die Idee in Mexiko ist, dass die Partner pur und rein in die Ehe gehen." – Ich: "Und ist das auch deine Meinung?" – Er: "Wäre schön gewesen, aber ich hatte schon 10 Freundinnen."
• "Meine Frau will oft nicht, dass ich mit Kumpels weggehe. Ich sag dann, während ich weg bin, hast genug Zeit, dich wieder zu beruhigen."
• "Ich erlaube meiner Frau nicht, in einen öffentlichen Bus zu steigen."
• "Hier in Lateinamerika sind die guten Männer (deutet auf sich) mit 25 alle schon verheiratet. Die übrigen haben große persönliche Probleme."

Praktisch jedes Mal, wenn er den Mund aufmacht, fällt so was in der Richtung raus. Natürlich hat er es eh schon längst verschissen. Aber er setzt jedes Mal noch eins drauf und ist auch noch richtig niederträchtig. Ich frage ihn, arbeitet ihr am Montag? (In vielen Firmen ist am Montag frei) Dann würde ich nämlich verreisen. Er: Nein nein, die Stunde wird dann zum Schluss nicht nachgeholt, und in zwei Wochen bist du weg. Die zwei Wochen kannst schon noch arbeiten." (Jetzt fahre ich wegen ihm nicht nach Acapulco)

Aber, und das versöhnt mich wieder mit der Welt, (und macht mir gleichzeitig Angst, denn diese Kombination ist gefährlich) ist er noch saudämlich. Und womit kommt ein kleiner Möchtegern-Macho gaaaanz schlecht klar? Wenn eine Frau ihm zu verstehen gibt, dass er was nicht kann.
Ratet mal, was mein neues Lieblingsspiel im Unterricht ist? Hei, das macht Spaß, und er läuft dann immer leicht rot an und ich sehe, dass er mir am liebsten an die Kehle springen würde.
Zum Beispiel gestern: Wir lernen Zahlen. Im Buch steht folgende unendlich anspruchsvolle zu vervollständige Zahlenreihe: 50 60 40 70 30 ... ? Er, nä, is zu schwer. Ich: "OK, ich geh dann mal nen Kaffee holen, und währenddessen kannst du noch ein bißchen nachdenken."

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