Montag, 13. März 2006

Mein Gehirn implodiert jeden Augenblick vor lauter Mitteilungsdrang.

Wehmut fängt an, sich auszubreiten! Diese Mexikaner — jetzt bin ich noch 2 Wochen in Toluca, und jetzt fällt ihnen wieder ein, dass sie sich möglichst noch ganz oft mit mir treffen müssen, bevor ich verschwinde. Das ist das Gute am Ortswechsel: Bevor man geht, sind die Leute immer so nett zu einem. Wochenlang war ich quasi in Isolationshaft, keine Sau ruft mich an, hab nichts gemacht außer Schule – und letzte Woche hab ich sozialtechnisch mehr erlebt als in den vergangenen Monaten zusammen. Na ja, bin natürlich selber schuld irgendwie; die "Umstände" haben es einfach nicht anders erlaubt.

Mitunter halten es irgendwelche Leute für eine besonders tolle Idee, mit mir Business zu machen. Wie diese Pfeife F., mit dem ich am Dienstag weg war. Er ist ganz groß im toluqueñischen Gastro- und Club-Business unterwegs (Vorteil: jeder Gastwirt will ihm in den A.... kriechen und stellt ungefragt und kostenlos Getränke auf den Tisch). Er will mit mir als "socio" Tortillas und mexikanische Handwerkskunst nach München exportieren. Is recht. Im Lauf des Abends hab ich ihm Bier über seine blütenreine Jacke gegossen, und er wollte dass ich seine Freundin bin. Als ich dankend abgelehnt habe, hat er geschimpft und gesagt, dass ich ihn ausnütze. Ahahahahaha. Ich treff mich wohl nicht mehr mit ihm.
Am Donnerstag war ich mal wieder mit Bety, Pau und Beto weg; Beto hat (ungefragt und detailliert) mehrere Geschichten über verschiedene erotische Abenteuer aus seiner Vergangenheit erzählt. War ein lustiger Abend.

Heut (Sonntag) ist Wahltag! Kommunalwahlen. Folgende lustige Geschichte hab ich dazu erfahren: Es gibt hier in Mexiko das sogenannte "Ley Seca", das "Trockene Gesetz". Manchmal am Tag vor den Wahlen, bzw. am Wahltag selbst darf in keiner Kneipe und in keinem Markt Alkohol verkauft werden. So wollen sie verhindern, dass sich die Leute betrinken und am nächsten Tag zu verkatert sind, um zu wählen; oder sie haben Angst dass die Leute vor lauter Restalkohol im Blut vergessen, wen sie eigentlich wählen wollten. Oder an welche Stelle das Kreuz überhaupt muss. Das finde ich mal wieder eine typisch mexikanische Unglaublichkeit.

Wie Amores Perros, nur ohne Amores
Jetzt gerade, in diesem Moment, fängt die Meute wieder an zu bellen und zu jaulen. Ich weiß nicht genau wo, aber hier in der Gegend gibt es anscheinend eine Hundegang, die sich nachts trifft um zu kämpfen. Es sind so viele, und sie bellen und jaulen so laut, dass ich manchmal nachts davon aufwache und mich frage, ob sie nebenan vielleicht Hundekämpfe veranstalten, wie bei Amores Perros.

Und ich bin wieder LAUFEN GEGANGEN! Zum ersten Mal auf fast Zugspitz-Höhe bin ich 5 Kilometer gelaufen, hurra, hurra!! Danach war mein Kopf ungefähr so rot wie ein Bratapfel im Ofen, ich hatte 2 Stunden lang Magenkrämpfe, meine "gebrochene Zehe" war böse, und mein Knöchel ist heute noch geschwollen – aber das macht nix, und heut geh ich gleich wieder. Überhaupt macht es Spaß, immer dieselben Leute zu sehen. Meine Lieblings-Motivation ist eine ältliche Dame mit einem Hintern so groß wie der Estado de México und so hügelig wie das Alpenvorland, deren Sport folgende Aktivität ist: Langsames Gehen. Dazu hält sie, ich lüge nicht, einen weißen Ball in ihrer rechten Hand, und in ihrer linken ein Taschentuch. Nur Gott weiß (und vielleicht die Virgen von Guadalupe), was sie mit dem weißen Ball macht.

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