Dienstag, 21. März 2006

Valle III – Die gute Seite

Servus! (Das lerne ich gerade allen meinen Studenten; muss ja noch ein bisschen was fuer ihre bayerische Bildung tun, wenn naechste Woche schon die neue auch-Ossi-Lehrerin anfaengt ...

Ein bizarres, aber gutes Wochenende war das.

Am Freitag Abend hab ich zuerst mal wieder kräftig gehadert. Mein Bosch-Schüler (der Nette) hatte Geburtstag, ich hab ihm gratuliert, er, "also, wir gehen dann heut Abend weg, und du musst unbedingt mitkommen. Ich ruf dich später an!" Ich, in festem Vertrauen, hab alle anderen Freitag-Abend-Gestaltungsmöglichkeiten abgesagt, mich in mein Zimmerchen gesetzt, und gewartet. Und gewartet, und gewartet... und er hat nie wieder angerufen.
Dann hab ich mir gedacht, diese Sch.... Mexikaner können mich langsam mal. Ständig passiert sowas! Was bedeutet Freundschaft eigentlich für die? Was soll das? Sie sind so egoistisch und schaffen es nicht, sich in eine andere Person hineinzuversetzen, oder bzw., es ist ihnen einfach scheißegal. Wahrscheinlich ist hier auch keiner blöd genug, um sich wirklich auf andere zu verlassen.
Außer mir. Bin ich naiv, bin ich diejenige, die falsch liegt? Vielleicht erwarte ich viel von den Leuten, aber ich glaube nicht, dass es zu viel ist. Man muss doch den Leuten Respekt und Ehrlichkeit entgegen bringen. Und ich muss mich doch verlassen können auf das, was sie sagen. Ich sage allen hier immer, also meine Familie und meine Freunde in Deutschland sind anders. Auf die kann ich mich zu 100% verlassen, egal was passiert. Sonst wären es ja nicht meine Freunde (und meine Familie sowieso). Das Verhalten der Leute hier zueinander könnte ich nicht akzeptieren, so will ich nicht leben. Surround yourself with good people!
So. Schluss mit Predigen.
Ungefähr genau so hab ich ihm das am Samstag früh um 07:00 gesagt, als wir Unterricht hatten.

Natürlich hab ich mich im Laufe des Wochenendes wieder beruhigt. Ich hatte auch ziemlich gute Abwechslung ... gegen Abend bin ich mit Carlos und Mauro, zwei Schülern aus meiner Montag-Mittwoch-Gruppe, mal wieder nach Valle de Bravo gefahren. Wir haben ein bisschen gemalt, und sind so ungefähr bis um 06.00 früh weggegangen. Es sind ein paar interessante Sachen passiert, zum Beispiel: Wir sind irgendwann von einer Disko zur nächsten gegangen, als ein besoffener, fertiger Typ gekommen ist und uns angequatscht hat. Mauro ist dann mit ihm ums Eck gegangen und erst nach guten 15 Minuten wieder gekommen. Als er uns erzählt hat, was passiert ist, hab ich kurz geschluckt: Der Typ hat gesagt, "ich hab eine Pistole. Und ich hatte gerade Streit mit jemandem. Hast du keine Angst?" Mauro hat dann "bleib locker Mann ich bin dein bester Freund" gespielt und ihm glaubhaft versichert, dass es keine gute Idee ist, jemanden zu erschießen. Und dass wir eh gerade ausgeraubt worden sind und kein Geld mehr haben. Dann hat er sich verzogen. Waa! Ich war mir nicht direkt dessen bewusst, dass wir uns eventuell in einer etwas uncoolen Situation befinden.
Aber ist ja mal wieder gut ausgegangen, und alles in allem war es wirklich sehr lustig.

Das mit den Jungs und wie die beiden sich mir gegenüber und gegenseitig verhalten haben, hat mir wieder gezeigt, dass nicht alle hier unzuverlässige Egoisten sind. Das war gut.
Und als ich in Toluca die Treppe zu meinem Zimmerchen hochgestiegen bin, stand ein Blumenstock vor meiner Tür, mit Entschuldigungskarten von meinem Bosch-Schüler, und er schreibt: damit du siehst, dass Freundschaft den Mexikanern doch was bedeutet.
Ach, schön. Dann war ich wieder mit der Welt versöhnt.

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