Montag, 13. März 2006

Xochimilco heißt nicht "Kotschimilco", Lehrerin, sondern "Sotschimilco"

Mein erster Schulausflug! Am Samstag sind wir nach Xotchimilco gefahren; (Meine Kurse haben gebrüllt vor Lachen, weil ich "Kotchimilco" gesagt habe, und reiben es mir bei jeder Gelegenheit unter die Nase.) wir, das heißt: Die Chefs mit ihren drei Kindern, die zwei immergrantigen Nachbarsmädels (ich kann sie eigentlich nicht ausstehen), ungefähr 10 minderjährige Schüler, die ich nicht kenne, und mit denen ich auch nicht geredet habe (diese Deutschen – reden nie), und 5 meiner Schülerchen: Ana, Cynthia, Gersain, Carlos und Mauro. Das war ein ganz schöner Ausflug! Xotchimilco, Náhuatl für "Ort der Blumen", ist ein Stadteil in Mexico-City im Süden. Früher war das alles See, und die Azteken haben künstliche Kanäle angelegt und die Erde als fruchtbares Farmland verwendet. Die Kanäle sind zum Großteil noch erhalten, und auch heute noch gibt es eine Reihe von Gewächshäusern am Ufer, in denen vor allem Blumen gezüchtet werden.
Wir haben uns also alle auf eines dieser lustigen bunten Boote (trajinera) gesetzt, sind im Schneckentempo duchs Wasser geschippert, haben nett geplaudert, die Kinder davon abgehalten mit Eiswürfeln "Eiskrieg" zu spielen und typisch mexikanisch gegessen: Carnitas (Fleischstücke in Tortilla, plus – natürlich – Salsa, Chili und Lemon), Gurken, ein anderes komisches undefinierbares Gemüsezeug (wässrig, weißlich, erinnert ein bisschen an Kohlrabi, und man isst es – natürlich – mit Chili und Lemon), Sandwiches und Dosenbier. Mann, gebt mir mittags um 12 in der Sonne ein bisschen Dosenbier, und ich höre nie wieder auf zu reden. Also, das war lustig. Und endlich, ENDLICH, hat Gersain uns was vorgesungen: er ist ja Mariachi-Sänger. Auf diesen Kanälen schwimmen auch ständig Boote mit Mariachis rum; sie haben gespielt und Gersain hat dazu gesungen. Cool war das, und zum ersten Mal hab ich den Text von cielito lindo y eh.. zumindest zum Teil verstanden: aaaaay ayy ayy aaaaaa, caanta y no llores, ... ihr kennt die Melodie (sing ich euch später vor). Das war cool.
Wir hatten noch Zeit und haben einen kurzen Stopp in Santa Fe, dem superteueren Einkaufszentrum am westlichen Rand vom D.F., gemacht, und sind Kaffee trinken gegangen. Ich hab mich einfach totgelacht über die Kinder; das war so ein urwaldartiges Cafe mit brüllenden Gorillas, Vogelgezwitscher und einem schnappenden Plastik-Krokodil. Der kleine Franz hat einen hysterischen Anfall gekriegt, weil er gedacht hat, sein Bruder wird gefressen. Die sind alle drei hyperaktiv, aber echt süß.
Abends sind wir noch ins Kino und in eine Kneipe mit ein bisschen Live-Gitarrenmusik gegangen (anscheinend gibt es mehr gute Orte in Toluca/Metepec, als ich anfangs gedacht habe.....), Carlos, Mauro, Ana und ich.
Oh weh--- sie sagen jetzt schon alle, "Warum gehst du? Bleib!!" und ich werde ganz wehmütig und weiß, trotz Allem (ich meine, trotz dem ganzen negativen Zeug, das ich immer geschrieben und erzählt hab) wird mir der Abschied nicht leicht fallen.
Aber was mich unglaublich froh macht: Ich habe meine Mission erfüllt. Jetzt weiß ich, wie es ist, Deutsch zu unterrichten, und anscheinend mache ich es gar nicht so schlecht. Die Chefin hat mir allen Ernstes angeboten, dauerhaft in der Schule zu arbeiten. Und meine Schülerchen haben gestern gesagt, ich bin die beste Lehrerin, die sie je hatten....

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